Grußwort von Generalkonsul Bernd Westphal
anläßlich der Konferenz von Deutschlehrern aus den westlichen USA
in Menlo Park am 26. Januar 2002

Die Förderung der deutschen Sprache ist eine der wichtigsten Aufgaben der
Auswärtigen Kulturpolitik der Bundesregierung. Bei dieser Aufgabe können
wir auf einer beachtlichen Stellung aufbauen, die die deutsche Sprache
unter allen Sprachen der Welt einnimmt: Deutsch gehört zu den acht
bedeutendsten Sprachen in der Welt. Mehr als 100 Millionen Menschen
sprechen Deutsch als Muttersprache. In sieben Ländern Europas ist Deutsch
die einzige oder eine unter mehreren Amtssprachen. In der Europäischen
Union bilden die Deutschen mit Abstand die größte Muttersprachlergruppe. Im
Internet gehört die deutsche Sprache zu den vier wichtigsten Sprachen, in
denen “Inhalte" gespeichert sind.

Das Bemühen, junge Menschen und Erwachsene für das Erlernen der deutschen
Sprache zu erwärmen, ist also kein von vornherein aussichtsloses
Unterfangen, sondern durchaus sinnvoll: Deutsch zu lernen, lohnt sich.
Deutschland wird als potente Wirtschaftsnation in der ganzen Welt
respektiert, deutsche Sprachkenntnisse schaffen eine Basis für einen
Austausch und leisten so einen Beitrag zur Förderung von
Wirtschaftsbeziehungen, aber auch bei der Entwicklung von Kontakten in
Wissenschaft und Forschung. Die deutsche Sprache eröffnet darüberhinaus den
Zugang zu einem reichen, über mehrere Jahrhunderte gewachsenen Schatz an
Literatur und Kunst.

Deutsch gilt gemeinhin als schwierige Sprache. Oftmals stehen daher die
eben genannten, eher pragmatischen Überlegungen im Vordergrund, wenn sich
jemand für das Erlernen der deutschen Sprache entscheidet. Diese einmal
getroffene Entscheidung für die deutsche Sprache hat dann aber nicht nur
den gewünschten praktischen Nutzen, sondern hilft dem Deutschlerndenden
auch, sich ein eigenes, differenziertes Bild von Deutschland und den
Deutschen zu machen.

Das Wissen über Deutschland ist in den USA eher gering. Die deutsche
Geschichte vor dem zweiten Weltkrieg und dem Holocaust und die Entwicklung
Deutschlands seit dieser Zeit sind in den USA kaum bekannt. Die durch
amerikanische Schulen und Medien vermittelten Informationen bleiben meist
auf diese dunkle Epoche der deutschen Geschichte beschränkt und führen
häufig zu einem eher negativen Bild von Deutschland.

Wer sich aber die Mühe macht, sich näher mit Deutschland und den Deutschen
zu beschäftigen, hier lebende Deutsche kennenzulernen, vielleicht für einen
kurzen Urlaub nach Deutschland zu reisen oder als junger Mensch sogar
einige Zeit an einer Universität in Deutschland zu studieren, gewinnt
schnell ein anderes Bild: Es überrascht nicht, daß ein unmittelbarer
Kontakt und die eigenen Erfahrungen, die man dabei macht, meist eher
positive Bilder erzeugen.

Deutsche Sprachkenntnisse erleichtern den Zugang zur deutschen Kultur, zu
Traditionen und zum aktuellen Tagesgeschehen in Deutschland und helfen so,
diese wichtigen eigenen Erfahrungen zu sammeln. Das gerade zu Ende
gegangene Jahr 2001 war vom Europarat zum “Europäischen Jahr der Sprachen"
erklärt worden. Die Kernbotschaft lautete “Sprachen öffnen Türen", denn nur
wer die Sprache eines Landes spricht, ist in der Lage, Menschen und Kultur
wirklich zu verstehen.

Leider sind die Rahmenbedingungen für das Erlernen der deutschen Sprache in
den USA nicht ideal. In den USA werden von den verschiedenen
Bevölkerungsgruppen - neben Englisch - über 100 Sprachen als Muttersprache
gesprochen. Die Neigung, darüberhinaus eine weitere Sprache zu lernen, ist
nicht besonders hoch. Wenn dies doch geschieht, wählen 70 % aller
Fremdsprachenlernenden Spanisch und rund 10 % Französisch. Deutsch wird von
rund 7 % aller Fremdsprachenlernenden gewählt. Damit liegt Deutsch zwar
weit hinter Spanisch, aber immerhin auf Platz drei unter allen
Fremdsprachen.

Häufig sind die Bedingungen für den Deutschunterricht an öffentlichen
Schulen schwierig: Fremdsprachen gelten in den USA nicht als Bildungsgut
wie an europäischen Schulen und werden nur als Wahlfächer angeboten.
Deutschlehrer unterrichten oft noch ein oder mehrere weitere Fächer und
müssen sich häufig Unterrichtsräume mit anderen Lehrern teilen, so daß es
schwierig oder unmöglich ist, einen Raum individuell zu gestalten und z.B.
durch Plakate und Fotos eine “deutsche" Atmosphäre zu schaffen. Die
materielle Ausstattung der Schulen ist oft bescheiden.

Dazu kommt, daß die Entscheidung, Unterricht in einer Fremdsprache
anzubieten, von den School Boards getroffen wird. Wo es keine sehr
pragmatischen Gründe gibt, gerade Deutsch anzubieten, wie z.B. einen großen
deutschen Bevölkerungsanteil in der Gemeinde, Partnerschaften mit Städten
in Deutschland oder große deutsche Firmenniederlassungen in der Nähe, oder
wo die Mitglieder des School Boards keine besonderen Vorlieben für die
deutsche Sprache haben, hat es Deutsch schwer, überhaupt als
Unterrichtsfach in den Schulunterricht aufgenommen zu werden.

Vor diesem Hintergrund kann die Bedeutung des Deutschunterrichtes, wie Sie
ihn anbieten, gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie ergänzen nicht
nur den Deutschunterricht der amerikanischen Schulen - wo er denn
stattfindet - sondern sind in vielen Gegenden sogar die Einzigen weit und
breit, die sich aktiv um die deutsche Sprache bemühen. Sie nehmen dabei
hohe Belastungen auf sich und investieren viele Stunden Ihrer Freizeit in
die Vorbereitung und Durchführung des Unterrichtes. Dies alles zeugt von
einer beeindruckenden Motivation. Seien Sie versichert, daß Ihre Arbeit und
die enormen Leistungen, die Sie erbringen, in Deutschland sehr wohl
registriert werden und daß Sie sich einer hohen Wertschätzung erfreuen.

Ich betrachte es als eine Ehre, die Schirmherrschaft über die West Coast
Konferenz übernehmen zu dürfen, und habe dies gerne getan. Ich hoffe, daß
Sie von dieser Konferenz Anregungen, Ideen, aber auch Motivation und Kraft
mit nach Hause nehmen und wünsche Ihnen für Ihre weitere Arbeit die besten
Erfolge.
 

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